Drachen, Kunst und Liebe

Sechs Transformatorenhäuschen werben für die Wormser Sage

Nibelungen werden jung

von Ulrike Schäfer


WORMS (usw) Manchmal treffen sich gute Ideen und dann wird etwas wirklich Tolles daraus. So wie bei den sechs Trafohäuschen des EWR, die von einer Gruppe junger Aerosol-Künstler aus ihrem Schattendasein erweckt und zu farbenfrohen Blickpunkten gestaltet wurden. Obendrein mit einer Botschaft versehen, die man gar nicht oft genug verbreiten darf: Worms ist die Nibelungenstadt.

Acht Tage hatten die Sprühkünstler, darunter eine junge Dame, Zeit gehabt, ihre Nibelungenimpressionen auf die eher unauffälligen Wände der EWR-Häuschen zu bannen. In der Bebelstraße ist ein streng grafisches Werk entstanden, das die Silhouette des Doms zeigt; am Holzplätzchen in Neuhausen wird in witzig-phantasievoller Comic-Manier der Kampf Siegfrieds mit dem Drachen dargestellt, in der Johanniterstraße züngelt ein kecker Drache, und an der Ecke Köhlerstraße/-Alzeyerstraße grüßt der Dom unterm Stadtwappen vor aufgehender Sonne die Ankömmlinge von der Autobahn. Im Kornfeld am Mondscheinweg windet sich ein weiterer Drache in bemerkenswertem Design, während auf der Rückseite des Häuschens die Wörter "Liebe" und "Hass" einander gegenübergestellt werden. Auch das letzte Kunstwerk, in der Noltzstraße, spielt mit den Wörtern und hat sie in rot-schwarz-silbrigen Colafarben dekorativ über die ganze Wand verstreut. "So ähnlich müsste der Turm des Festhauses bemalt werden", meinte ein Anwohner begeistert. Dass junge Leute große Wände mit Spraydosen gestalten dürfen, ist eher eine Seltenheit. Als die Wormser Gruppe kürzlich im Haus der Jugend nachfragte, ob nicht irgendwo ein Plätzchen frei wäre, kam Mitarbeiterin Andrea Nandlstaedt auf die geniale Idee, die Festspiel GmbH anzuspitzen und rannte dort bei James McDowell und Simone Schofer offene Türen ein. Der Dritte im Bunde, das EWR, war ebenfalls schnell zu gewinnen. Der Energiedienstleister stellte 20 Stationen zur Verfügung, acht wurden als geeignete Imageträger ausgewählt. Bei der Besichtigungstour am Sonntag waren nicht nur der Kulturdezernent und Referatsleiter Uli Mieland höchst angetan von der frischen Kunst, die auch Jugendlichen einen Zugang zum Nibelungenlied verschafft, auch Helmut Antz und Jürgen von Massow vom EWR freuten sich über die gelungene Aktion. "Das werden wir weitergeben an unsere Partnerunternehmen", meinte Antz und sagte im Bedarfsfall weitere Sprühflächen zu. Außerdem versprach er Festspielkarten für das ganze Künstlerteam. Und James McDowell lud die Sprüher ein, ähnliche Kunstwerke auf großen Wänden für die Festspiele herzustellen. Die jugendlichen Sprüher selbst trugen einen lang gehegten Wunsch an Gunter Heiland heran, eine Hall of Fame, eine Wand, auf der sie sich auch in Zukunft ganz legal in großem Stil verwirklichen dürfen. Der Kulturdezernent schien der Idee nicht abgeneigt. In der Johanniterstraße züngelt ein kecker Drache und verjüngt das alte Worms auf einen Schlag um tausend Jahre.

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